24. Februar 2012

Arbeiten für mehr Sicherheit

Protest in Puerto Aisen
Überschwemmung in Acre











Ausnahmezustand in Suedchile und in Nordbrasilien, 22. Februar 2012 - Nach einigen Jahren beruflichen Auslandsaufenthalts bin ich in den vertrauten deutschen Alltag zurueckgekehrt. Im selben Augenblick erleben aber die Menschen an meinen beiden Standorten in Suedchile und in Nordbrasilien, aus unterschiedlichen Gruenden, kritische Situationen.

In der Region Aisen in Suedchile kaempfen zur Zeit Menschen auf den Strassen um ihre Grundversorgung gegen die Polizei, die aus der fast 1500 km entfernten Hauptstadt Santiago Verstaerkung bekommen hat. Wichtige Produkte, wie Lebensmittel, Kraftstoff, Gas zum Kochen und Heizen, werden im lokalen Schiffshafen im Fjord von Puerto Chacabuco zurueckgehalten. Auch in der Hauptstadt Coyhaique im Inneren der Region gibt es gewaltsame Konfrontationen, die auf den Strassen zu Verletzten gefuehrt haben. Das alles vor dem Hintegrund des langjaehrigen Widerstandes gegen grosse Wasserkraftprojekte, die der lokalen Bevoelkerung dieses Teils der patagonischen Naturlandschaft nicht geheuer sind (Aktuelles in: http://www.radiosantamaria.cl).

In Acre, im amazonischen Teil Brasiliens, ist jetzt Regenzeit. Die Fluesse sind dieses Jahr hoeher angestiegen als in den letzten Jahren. Die Ueberflutungen erreichten besiedelte Orte im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Bolivien und Peru und zwangen bereits mehr als 6000 Menschen, ihr Haus zu verlassen und Unterkunft in Schulturnhallen zu suchen. San Pedro de Bolpebra auf der bolivianischen Seite ist inden vergangenen Tagen von der Landkarte verschwunden. Unter den Obdachlosen sind auch einige Hundert haitianische Fluechtlinge, die bei dem Erdbeben im Januar 2010 ihr Heim verloren haben und nun ihr Glueck im aufstrebenden Brasilien suchen. Einheiten des Zivilschutzes helfen vor Ort, aber die Kommunikationssysteme sind unterbrochen. Wettereprognosen gelangen nur auf Umwegen zu den Menschen. Das Hochwasser laesst keine Zeit zum Nachdenken ueber die Ursachen der Katastrophe. Doch im Grund ahnen alle Betroffenen, dass eine Kombination von Folgen lokaler Abholzung und globaler Klimaveraenderungen im Spiel sind (weitere Information in: http://www.agencia.ac.gov.br/).

Regionale Entwicklung braucht in derartigen Extremsituationen strategische Planungsinstrumente und Routinemechanismen, die den Schaden begrenzen helfen. Effiziente Buergerbeteiligung und Konfliktmanagement sind genauso Bestandteil einer demokratischen Regionalentwicklung, wie das Beispiel von Suedchile verdeutlicht, wie verstaerkte Risiko- und Katastrophenvorsorge im Kontext globaler Veraenderungen, mit Blick auf die Zustaende in Teilen Amazoniens in Nordbrasilien und einigen Nachbarlaendern.